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Hildegard von Bingen - aktueller denn je zuvor

Hildegard Von Bingen

Mensch, Umwelt, Leib und Seele - alles steht bei Hildegard von Bingen in stetiger Verbindung. Daher sind ihre wertvollen Schriften gerade in unserer Zeit wichtiger Beitrag für ein neues Verständnis zu Leben, Natur, Umwelt und Seelenheil.

Wer war Hildegard von Bingen?

Schon als junger Bursch hat mich die “Powerfrau” Hildegard fasziniert. Vor fast tausend Jahren hat sie einen Umbruch in der Medizin erreicht. Als erste Frau beschrieb sie in ihren Schriften den weiblichen Orgasmus. Ja, das geschah bereits im 11. Jahrhundert!

Stationen aus Hildegards Leben

Hildegard wurde 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert v. Bermersheim und seiner Frau Mechthild geboren. Mit 8 Jahren wurde sie von ihren Eltern an die Klausnerin Jutta von Sponheim zur geistlichen Erziehung übergeben. Mit 15 legte sie das heilige Gelübde ab und wurde Benediktinerin

1136 starb Klausnerin Jutta von Sponheim. Daraufhin wurde Hildegard einstimmig zur geistlichen Mutter gewählt. Das Frauenkloster befindet sich gerade in Entwicklung. 

Hildegards Visionen und Schriften

1140 erhält Hildegard den göttlichen Auftrag, alles zu dokumentieren und zu verkünden, was ihr in dieser ersten und den weiteren Visionen offenbart wird. Dies ist der Beginn eines Schriftwerkes, welches beispiellos in der europäischen Geschichte des Mittelalters ist. Denn selbst von ihren männlichen Zeitgenossen ist kein so umfangreiches Textwerk überliefert. Ihr erstes Werk heißt „SCIVIAS“,  übersetzt „Wisse die Wege“.

Ihre intuitive Begabung zur Vision erklärt die Benediktinerin als ein plötzlich über sie kommendes Wissen über den Sinn der heiligen Schriften. Im Zustand der Vision erschließen sich ihr die tieferen Geheimnisse der göttlichen Schriften. Sie legte auch immer großen Wert auf die Feststellung, dass sie ihre Visionen nicht in einer Ekstase oder anders gearteten Entrückung erhielte, sondern sich dabei immer im klaren Wachzustand befinde.

Von wegen Klosterfrau: 5 kaum bekannte Fakten über Hildegard von Bingen

Hildegard Von Bingen Portrait1

Die Mutige

Hildegard schrieb freimütig über Sexualität. Sie vergleicht die Leidenschaft des Mannes in seiner Liebe zur Frau mit dem Feuer von Vulkanen, das man nur schwer löschen kann. Sie deutet dieses Feuer als "gottgegeben". Ja genau, vor 800 Jahren! Damals beschrieb der Begriff Sexus (Geschlecht) nur die äußerlich erkennbaren Merkmale von Mann und Frau. 

Hildegard hatte dafür durchaus witzige Vergleiche parat. So z. B. bezeichnete sie den Penis als Türmchen, das zwischen zwei Gebäuden steht und von ihnen gestützt wird. Sie schrieb über Lust, in einer Zeit, in der Sex ausschließlich der Fortpflanzung dienen sollte. Alles andere galt als Sünde, teils mit drakonischen Strafen.


 

Die Hygienische

Alle Arbeitsräume im Kloster Rupertsberg waren an Frischwasserleitungen angeschlossen. Für die damaligen Verhältnisse ein enormer Luxus. Außerdem mahnte sie zu häufigem Waschen und Zähneputzen; eine Notwendigkeit, die nicht einmal von der vornehmen Gesellschaft praktiziert wurde. 


 

Die Psychologin

Die Melancholie oder auch Schwermut - heute als Depression bezeichnet -  ist eine Gesellschaftskrankheit, die schon seit Beginn der Menschheit existiert.

Hildegard erkannte schon damals den Unterschied des Krankheitsbildes bei Männern und Frauen, unter anderem dass Frauen bei Depressionen häufig an Rücken- und Kopfschmerzen leiden.

Was die Klosterfrau schon vor über 900 Jahren notierte, ist erst seit kurzem wieder ein Thema in Psychotherapien und mittlerweile wissenschaftlich bestätigt.


 

Die Geschäftsfrau

Sie hat die Fünfzig schon längst überschritten, da wird die Nonne zur Managerin. Hildegard steht zwei wirtschaftlich genial durchdachten Klosterbetrieben vor und macht Karriere als viel gelesene Autorin. Sie wird Ratgeberin namhafter Persönlichkeiten und hilft Armen genauso wie hochrangigen Politikern und geistlichen Würdenträgern.


 

Die Rebellin

Bis an ihr Lebensende blieb Hildegard eine Rebellin. 1179, in ihrem letzten Lebensjahr, wurde über ihr Kloster Rupertsberg das Interdikt, die kirchliche Höchststrafe, verhängt. Es durften weder Gottesdienste abgehalten, noch ihre berühmten Choräle gesungen werden. Grund dafür war, dass Hildegard einen exkommunizierten Adeligen auf ihrem Friedhof beerdigen ließ. Die Kirche verlangte, den Leichnam des "Ketzers" zu exhumieren. Doch Hildegard verwischte die Spuren des Grabes und behauptete, der Adelige sei kurz vor seinem Tod vom Kirchenbann befreit worden. Nach langem Hin und Her gab der Erzbischof von Mainz schließlich nach. Nicht zuletzt, weil Hildegard für ihren Sturkopf bekannt war.

 

Hildegards Ansatz zur Gesundheit ist ganzheitlich

Um gesund zu sein oder zu werden, muss das gesamte Leben in Harmonie sein und wichtigen Grundregeln folgen. Für ein gesundes Leben hat sie viele Ratschläge und Rezepte in unterschiedlichsten Bereichen hinterlassen. Das sind:

  • Heilpflanzen
  • Edelsteine
  • Ausleitungen
  • Ernährung
  • Lebensführung
  • Spiritualität
  • Bäderheilkunde

Hildegards Ernährungstipps

Berühmt sind auch Hildegards Ernährungstipps, die ich dir nicht vorenthalten möchte.

  • Die erste Mahlzeit sollte warm sein.
  • Gesunde sollen spät frühstücken.
  • 2 - 3 Mahlzeiten pro Tag einnehmen.
  • Zum Essen soll getrunken werden.
  • Ein kurzer Mittagsschlaf ist gesund.
  • Nicht zu viel, zu heiß und auch nicht zu kalt essen oder trinken.
  • Rohkost belastet den Magen.
  • Speisen kochen, garen oder braten.
  • Nach dem (Abend)Essen spazieren gehen.

Hildegards Lehren blieben lange verschollen. Erst 1970 wurden sie von Gottfried Hertzka, einem österreichischen Arzt, wiederentdeckt. Er erprobte die vielen Rezepturen und machte sie der Öffentlichkeit bekannt.

Mittlerweile beweisen viele Studien große Heilerfolge nach Hildegards Lehren. Sie finden immer mehr Anklang in der Alternativmedizin. Nicht zuletzt hier am Sanddornhof: Ich bin Mitglied der "Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen" und Hildegard-von-Bingen-Fachberater. In meinen Seminaren gebe ich die Lehren dieser Powerfrau weiter.

Du möchtest mehr über Hildegard wissen? Dann komme ins  “Kräuterseminar: Mit den Augen von Hildegard von Bingen”. Ich freue mich auf dich.

Michael Kurath

Über den Autor

Michael Kurath, Kräuterfachmann
"Meine Großmutter war meine erste Lehrmeisterin, die mir das Wissen und die Wirkung der heimischen Kräuter näher brachte. Ich möchte dieses alte Wissen weitergeben und Menschen damit helfen."
 

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